100 Fragen & Antworten

   
  Die förderfähigen Produkte
  2. Die Produkte der privaten Anbieter
  c) Die Leistungen
71. Gibt es auch Altersvorsorgeverträge, die gleichzeitig eine Absicherung der Berufs- und Erwerbsunfähigkeit enthalten?
72. Kann ich für den Todesfall im Rahmen der geförderten Altersvorsorge eine Zusatzversicherung für meine Hinterbliebenen abschließen?
73. Sollte ich eine Rentengarantiezeit vereinbaren?
74. Welche Leistungen können in der Auszahlungsphase gewährt werden?
75. Was ist unter einer Leibrente zu verstehen?
76. Wie funktioniert ein Auszahlungsplan?
77. Was muss mir der Anbieter zusagen?
78. Was kann mir der Anbieter zusätzlich zusagen?
79. Kann der Beginn der Auszahlungsphase vertraglich verändert werden?
80. Ich will einen Altersvorsorgevertrag mit einem Investmentfonds/ einer Bank abschließen. Unterliegen die Leistungen aus diesem Vertrag der Kapitalertragssteuer?
81. Welche Informationen muss mir der Anbieter geben?
   
  Die Antworten
71. Der Altersvorsorgevertrag kann mit einer Zusatzversicherung für den Fall der Erwerbsminderung versehen werden. Diese Zusatzversicherung kann auch das Risiko der Berufsunfähigkeit mit einschließen. Da ein Teil der Beiträge dann für die Absicherung des Risikos der Erwerbsminderung zur Verfügung stehen muss, wird die Rentenleistung im Alter geringer ausfallen. Zur Absicherung des Risikos der verminderter Erwerbsfähigkeit können bis zu 15 % der Beiträge von der Mindestleistung (siehe Frage 77) abgezogen werden. Ist also eine solche Zusatzversicherung in den Altersvorsorgevertrag einbezogen, so muss der Anbieter lediglich zusagen, dass zu Beginn der Auszahlungsphase die eingezahlten Altersvorsorgebeiträge abzüglich bis zu 15 % für die Altersvorsorge zur Verfügung stehen. Er kann natürlich auch für Sie günstigere Zusagen treffen. Deshalb sollten Sie Angebote und Konditionen verschiedener Anbieter vergleichen. Eine Versicherung allein gegen Erwerbsunfähigkeit bzw. Berufsunfähigkeit kann nicht staatlich gefördert werden.
72. Ja. Die staatlich geförderte Altersvorsorge kann auch mit einer zusätzlichen Absicherung für Hinterbliebene im Form einer Hinterbliebenenrente verbunden werden (siehe Frage 84). Eine Hinterbliebenenrentenzusage kann zu geringeren monatlichen Leistungen im Alter führen, als dies ohne eine solche Zusatzabsicherung der Fall wäre. Denn für die zusätzliche Absicherung können beispielsweise auch Gewinnüberschussbeteiligungen verwendet werden. Die vom Anbieter eines privaten Altersvorsorgeproduktes zuzusagende Mindestleistung (siehe Frage 77) wird durch den zusätzlichen Hinterbliebenenschutz aber nicht geringer. Anders als bei der zusätzlichen Absicherung der Erwerbsminderung (siehe Frage 71) müssen zu Beginn der Auszahlungsphase also die eingezahlten Altersvorsorgebeiträge ohne Abzüge zur Verfügung stehen.
73. Bei einer privaten Rentenversicherung (siehe Frage 62) wird häufig eine Rentengarantiezeit vereinbart. Dabei sagt die Versicherung zu, die Leibrente (siehe Frage 75) mindestens für einen vorab vereinbarten Zeitraum (z.B. 5 oder 10 Jahre) auszuzahlen, auch wenn der Versicherte schon vor Ablauf dieser Frist sterben sollte. Hier können Sie als Begünstigten im Prinzip jeden bestimmen, also auch z. B. Lebenspartner. Bei geförderten Altersvorsorgeverträgen hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass es sich bei jeder Auszahlung, die keine lebenslange Leistung ist, um eine „schädliche Verwendung“ handelt (siehe Frage 94). Eine Rentengarantiezeit währt aber nicht lebenslang. Die Zahlung endet mit Ablauf der vereinbarten Frist. Demnach liegt hier eine schädliche Verwendung vor mit der Folge, dass die Förderung anteilig zurückzuzahlen ist. Eine Ausnahme gilt, wenn die Garantierente nach Ihrem Tod in den Altersvorsorgevertrag Ihres Ehegatten eingezahlt wird. Zur Absicherung von Ehepartnern empfiehlt es sich aber, eine Hinterbliebenenrente zu vereinbaren (siehe Frage 84).
74. Aus den staatlich geförderten Altersvorsorgeverträgen können nur Auszahlungen in Form einer Leibrente (siehe Frage 75) oder eines Auszahlungsplanes mit Restkapitalverrentung (siehe Frage 76) gewährt werden. Quartalsmäßige Auszahlungen können vereinbart werden. Wenn Sie sich mit Ihrem Anbieter darüber einigen, dass er Ihnen das Kapital im Wege einer Einmalzahlung ausschüttet (wie bei der herkömmlichen Lebensversicherung), stellt dies eine „schädliche Verwendung“ dar (siehe Frage 94). Die Förderung ist zurückzuzahlen.
75. Bei einer Leibrente wird ein Vermögensbestand nach versicherungsmathematischen Grundsätzen in eine monatliche Leistung umgerechnet, die Sie bis an Ihr Lebensende erhalten, und zwar unabhängig davon, wie lange Sie leben. Wenn Sie sterben und keine Hinterbliebenenrente vereinbart haben, fällt das Restvermögen an das Versichertenkollektiv. Hieraus werden die Renten derer finanziert, die länger leben. Häufig wird eine „Rentengarantiezeit“ vereinbart, d.h. die Rente wird auf jeden Fall eine festgelegte Mindestdauer lang ausgezahlt (beachten Sie dazu aber Frage 73). Die Höhe Ihrer monatlichen Leistung bestimmt sich bei der Leibrente nach Ihrer statistisch ermittelten durchschnittlichen Restlebenserwartung. Daher sind die monatlichen Rentenleistungen bei gleichen Beitragszahlungen für Frauen geringer als bei Männern. Bei geförderten Verträgen ist nur eine gleichbleibende oder eine steigende Rente zulässig. Bei der steigenden Rente kann schon bei Vertragsschluss ein prozentualer Steigerungssatz festgelegt werden. Die Rente kann anfänglich niedriger sein und dann entsprechend der Preisentwicklung oder für den steigenden Lebensbedarf angepasst werden. Dass die Leistungen nach und nach geringer werden, ist nach derzeitiger Rechtslage nicht möglich.
76. Beim Auszahlungsplan wird das angesparte Kapital über einen vereinbarten Zeitraum in Raten ausgezahlt. Dabei werden gleichbleibende oder steigende Leistungen vereinbart. Es sind auch Vereinbarungen möglich, die einen bestimmten monatlichen Grundbetrag und einen (z. B. ertragsabhängigen) variablen Teilbetrag vorsehen. Nach den Entscheidungen der Zertifizierungsstelle dürfen Anbieter von Altersvorsorgeverträgen (nicht nur Investmentfonds, sondern auch Banken und Versicherungen) im Rahmen eines Auszahlplanes bis zu 20 % des angesparten Kapitals als variable Teilraten sowie weitere 20 % als Einmalzahlung ausschütten. Voraussetzung ist aber, dass mindestens die eingezahlten Beiträge (einschließlich Zulagen) für die regelmäßigen Auszahlungen zur Verfügung stehen (siehe Frage 77). Bei förderfähigen Verträgen muss Ihr Anbieter schon zu Beginn der Leistungsphase eine Rentenversicherung zu Ihren Gunsten abschließen, aus der nach Vollendung des 85. Lebensjahres eine Leibrente gewährt wird, die der letzten (festen) Teilrate des Auszahlplanes entspricht. Damit wird gewährleistet, dass die Zahlungen bis ans Lebensende weiterlaufen. Da die Wahrscheinlichkeit, ein Lebensalter von 85 Jahren zu erreichen, bei Frauen rund 50 %, bei Männern aber nur etwa 30 % beträgt, fallen auch die Raten des Auszahlungsplans bei Frauen geringer aus. Wird im Todesfall verbleibendes Restkapital an Erben ausgezahlt, dann muss die Förderung (Zulagen und zusätzliche Steuervorteile aufgrund des Sonderausgabenabzugs) zurückgezahlt werden (siehe Frage 94). Eine Hinterbliebenenrente kann förderunschädlich vereinbart werden (siehe Frage 72). Auch kann der hinterbliebene Ehegatte das geförderte Restkapital in seinen Altersvorsorgevertrag überführen (siehe Frage 85).
77. Alle Anlageformen müssen mindestens die Auszahlung der eingezahlten Altersvorsorgebeiträge (Eigenbeiträge und Zulagen) zusagen. Diese Zusage berührt nur Ihr Vertragsverhältnis mit dem Anbieter; sie ist keine staatliche Garantie (siehe Frage 67). Für die Absicherung der Erwerbsunfähigkeit dürfen von dieser Mindestzusage bis zu 15 % der eingezahlten Beiträge abgezogen werden (siehe Frage 71). Abschluss- und Verwaltungskosten dürfen demgegenüber ebenso wenig abgezogen werden wie die Kosten der Hinterbliebenenabsicherung.
78. Dem Anbieter ist es unbenommen, über die Mindestanforderungen hinaus (siehe Frage 77) eine bestimmte Rendite zu garantieren. Zum Teil geben Anbieter echte Zinsgarantien ab. Lebensversicherungsunternehmen sagen aktuell in der Regel einen Zinssatz von 3,25 % auf den Sparanteil (d.h. nach Abzug der Kosten) zu. Sie sollten die Angebote und Zusagen vergleichen. Möglich ist auch die Vereinbarung eines Schlussbonus am Ende der Ansparphase, um die Treue der Kunden zu belohnen. Bei Sparplänen kann eine Erhöhung der Grundzinsen pro Sparjahr (statisch oder variabel) zugesagt werden. Eine Zinsgarantie stellt eine zusätzliche Leistung des Anbieters dar, für die er auch einen Preis verlangt. Ein Produkt, das keine Zins-Garantie enthält, kann möglicherweise risiko- und ertragreicher wirtschaften. Garantiert Ihnen Ihr Anbieter etwas über den eingezahlten Betrag hinaus, sollten Sie sich dies unbedingt schriftlich bestätigen lassen. Von einer Zinsgarantie zu unterscheiden ist die sogenannte Gewinnüberschussbeteiligung. Sie wird regelmäßig nicht garantiert, sondern aufgrund von erwarteten Kapitalmarktgewinnen in Aussicht gestellt. Es bleibt das Risiko, von einer inflationären Entwicklung und weiteren Kapitalmarktrisiken betroffen zu werden. Bei ungünstigen Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklungen kann die in Aussicht gestellte Gewinnüberschussbeteiligung vollständig entfallen. Es können auch zusätzlich zu Leistungen im Alter Leistungen bei Erwerbsminderung und im Todesfall vereinbart werden (siehe Fragen 71 und 72).
79. Das Gesetz schreibt vor, dass die Leistungen ab dem Beginn der Altersrente oder Pension, frühestens ab dem 60. Lebensjahr, erbracht werden dürfen. Beginnt die Altersrente nach dem 60. Lebensjahr, ist der Beginn der Altersrente maßgeblich. Wenn zusätzlich eine Absicherung der Erwerbsminderung vorliegt, sind frühere Leistungen möglich. Bei Personen, die vor dem 60. Lebensjahr schon eine Altersrente oder -pension beziehen (z. B. Berufssoldaten), kann die Leistung schon zu diesem Zeitpunkt beginnen.
80. Nein. Bei den Erträgen und den Auszahlungen aus einem staatlich geförderten Altersvorsorgevertrag handelt es sich nicht um Kapitalvermögen, das der Kapitalertragsbesteuerung unterliegt. Die Besteuerung von „Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen“ ist in einem neuen Paragraphen geregelt (siehe Frage 89).
81. Der Anbieter muss Sie jährlich informieren über:
  • die Verwendung der Vorsorgebeiträge,
  • die Höhe des jeweils angesparten Altersvorsorgevermögens (einschließlich der Erträge),
  • den Stand der zu verteilenden Abschluss- und Vertriebskosten,
  • die Höhe der Verwaltungskosten und
  • die Berücksichtigung ethischer, sozialer und ökologischer Belange bei der Mittelanlage. Bereits vor Vertragsabschluss muss er Ihnen Informationen über Kosten geben (siehe Frage 66).