100 Fragen & Antworten

   
  Die förderfähigen Produkte
  2. Die Produkte der privaten Anbieter
  b) Produkttypen
61. Welche Formen der zertifizierten privaten Altersvorsorgeverträge gibt es?
62. Was ist eine private Rentenversicherung?
63. Kann ich auch eine Lebensversicherung fördern lassen?
64. Kann ich auch mit einem Banksparplan für das Alter vorsorgen und dafür die staatliche Förderung erhalten?
65. Kann man auch Investmentfonds als Altersvorsorge einsetzen? Welche Produkte gibt es?
66. Darf der Anbieter oder der Versicherungsvertreter für den Abschluss eines Vertrages zur geförderten Zusatzvorsorge eine Provision, einen Ausgabeaufschlag oder ähnliches verlangen?
67. Was passiert, wenn der Anbieter des privaten Vorsorgeproduktes (Bank, Versicherungsunternehmen etc.) zahlungsunfähig wird?
68. Kann ich den Anbieter während der Ansparphase noch wechseln? Was muss ich dabei beachten?
69. Kann der Altersvorsorgevertrag im Nachhinein geändert werden?
70. Sieht das Gesetz besondere Möglichkeiten vor, die geförderten Altersvorsorgeverträge zu kündigen?
   
  Die Antworten
61. Bei den Produkten der privaten Altersvorsorge lassen sich zwei Grundtypen unterscheiden:
  • Versicherungsprodukte (siehe Fragen 62 und 63) und
  • Bank- und Fondssparprodukte (siehe Fragen 64 und 65).
  Zwischen diesen beiden Grundtypen haben sich auch Mischformen herausgebildet. Es gibt von Stiftung Warentest und anderen Verbraucherschutzorganisationen Publikationen mit umfangreichen Produktvergleichen.
62. Eine private Rentenversicherung verbindet Kapitalanlage und Versicherung. Sie gewährt in der Regel eine lebenslange Leibrente (siehe Frage 75), es sind aber neuerdings auch Auszahlpläne mit variablen Raten zulässig (siehe Frage 76). Neben der für die Zertifizierung zwingend erforderlichen Absicherung im Alter kann zusätzlich eine Absicherung bei verminderter Erwerbsfähigkeit (siehe Frage 71) und Tod erfolgen. Enthält der Vertrag eine Hinterbliebenensicherung, so erhalten bei Tod des Versicherten dessen im Haushalt lebender Ehegatte oder die kindergeldberechtigten Kinder Leistungen (siehe Fragen 72 und 73 und Fragen 84 - 86). Die Leistungen der privaten Rentenversicherung bestehen in der Regel aus einer garantierten Mindestrente zuzüglich einer nicht garantierten Überschussbeteiligung. Bei der privaten Rentenversicherung handelt es sich nach allgemeiner Einschätzung um eine Altersvorsorgeanlage mit vergleichsweise geringem Risiko und mittleren Ertragschancen. Anders als bei herkömmlichen, nicht geförderten privaten Rentenversicherungen wird bei Kündigung eines geförderten Vertrages, bei schädlicher Verwendung, bei Anbieterwechsel oder bei vorzeitigem Tod nicht der „Rückkaufswert“ ausgezahlt, sondern das gebildete Kapital, das in der Regel höher ist als der Rückkaufswert. Erfolgt die Kapitalanlage bei der privaten Rentenversicherung zum Teil in Investmentfonds, spricht man von einer fondsgebundenen Rentenversicherung. Hier ist in der Regel die garantierte Rente, die sich aus der Mindestverzinsung ergibt, geringer, die Ertragschancen und die Risiken sind demgegenüber häufig höher. Eine Mindestlaufzeit ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen, aber wegen der Abschlusskosten (siehe Frage 66) werden Verträge meist nicht unter 10 Jahren Laufzeit angeboten.
63. Nein. Im Gegensatz zur privaten Rentenversicherung schüttet die klassische Kapital-Lebensversicherung bei Eintritt des Versicherungsfalls – Alter, Invalidität, Pflegebedürftigkeit, Tod – die gesamte Versicherungssumme aus. Diese setzt sich, vergleichbar mit der privaten Rentenversicherung, aus einem garantierten Versicherungsbetrag und einer Überschussbeteiligung zusammen. Die Lebensversicherung ist nicht zertifizierungsfähig, da sie keine lebenslangen Leistungen vorsieht. Auch eine reine Risikolebensversicherung kann nicht gefördert werden.
64. Auch ein Banksparplan ist förderfähig, wenn seine Ausgestaltung den gesetzlichen Voraussetzungen entspricht (siehe Frage 56). Er eignet sich insbesondere für Personen, die nur noch wenige Jahre bis zum Rentenbeginn vor sich haben. Ein Banksparplan besteht im langfristigen Ansparen von Bankguthaben mit festgelegter Verzinsung. Dabei kann der Zinssatz von der Laufzeit oder dem Sparbetrag abhängig sein oder sich nach einem Referenzwert wie z.B. der Umlaufrendite festverzinslicher Anleihen richten. Diese Altersvorsorgeform ist eine Anlage mit sehr geringem Risiko, dem jedoch auch nur vergleichsweise geringe Erträge gegenüberstehen. Es sind auch Mischprodukte denkbar, bei denen die Zinserträge in Investmentfonds (siehe Frage 64) investiert werden. Eine Rückübertragung auf das Bankguthaben erfolgt dann zu Beginn der Auszahlungsphase (siehe Fragen 74 – 78 zu den Leistungen).
65. Auch Fondsprodukte können zur geförderten Altersvorsorge eingesetzt werden, sofern sie den gesetzlichen Anforderungen genügen (siehe Frage 56). Es gibt verschiedene Typen von Investmentfonds. Beim Fondssparplan handelt es sich um eine Anlage in thesaurierenden oder ausschüttenden Investmentfonds. Bei thesaurierenden Fonds verbleiben die erzielten Erträge im Fonds; die Rendite ergibt sich durch den steigenden Wert des Fondsanteils. Im Gegensatz hierzu werden bei ausschüttenden Fonds die Erträge ausgezahlt. Die Ausschüttungen müssen allerdings bei geförderten Altersvorsorgeverträgen laut Gesetz zum Wert des Anteils kostenfrei unverzüglich wieder angelegt werden. Es gibt viele verschiedene Investmentfonds, die sich vor allem durch ihre Anlagestrategie unterscheiden. Von der Anlagestrategie hängt auch das Risiko der Anlage ab. Man unterscheidet prinzipiell Aktienfonds, Geldmarktfonds, Rentenfonds („Renten“ meint hier festverzinsliche Wertpapiere) und Kombinationen dieser Formen. Im Rahmen der förderfähigen Altersvorsorgeverträge gibt es zahlreiche Produktvarianten. Zum einen ist das Ansparen während der gesamten Ansparphase in einem einzigen Mischfonds möglich. Zum anderen kann ein Vertrag in Lebensabschnitte eingeteilt werden ( Lebenszyklusmodell). Zu jedem Abschnitt gibt es einen entsprechenden Fonds, wobei das Risiko der Anlage mit zunehmenden Alter abnimmt. Beim gemanagten Sparplan zahlt der Anleger über die gesamte Ansparphase hinweg in einen oder mehrere Fonds mit einem im allgemeinen überdurchschnittlich hohen Aktienanteil ein. Die Zusammensetzung des/r Fonds ist dabei flexibel und reagiert auf verschiedene ökonomische Einflussfaktoren. Bei den verschiedenen Fondssparplänen handelt es sich um die risikoreichste Anlagemöglichkeit der geförderten Altersvorsorge, d.h. um die mit den größten Verlustgefahren. Allerdings sind auch die Ertragschancen bei dieser Anlageform am größten. Das Risiko lässt sich durch die verschiedenen Ausgestaltungsformen den individuellen Bedürfnissen anpassen. In der Praxis dürften häufig Mischformen zwischen Versicherungs- und Sparprodukten angeboten werden. So können zum Beispiel die Überschüsse aus Versicherungen ebenso wie die Zinserträge aus Bankguthaben in Investmentfonds angelegt werden. Zudem müssen alle Vorsorgeverträge spätestens ab dem 85. Lebensjahr eine Leibrente garantieren (siehe Frage 75), was auch den Bank- und Fondsprodukten einen Versicherungscharakter verleiht. Reine Investmentfonds werden bislang kaum als Altersvorsorgeprodukt angeboten.
66. Eine Abschlussprovision im üblichen Sinne darf bei geförderten Altersvorsorgeverträgen nicht verlangt werden. Das Gesetz verlangt vielmehr, dass die Abschluss- und Vertriebskosten auf mindestens 10 Jahre verteilt oder als fester Prozentsatz berechnet werden (siehe Frage 56). Hierbei ist zu beachten, das diese Prozentsätze sich auf unterschiedliche Bezugsgrößen beziehen können, z.B. „x % der eingezahlten Beiträge“ oder „y % des angesparten Kapitals“. Weitere Kosten dürfen erhoben werden, z.B. laufende Verwaltungskosten, Ausgabeaufschläge, Kosten der Verrentung und Bearbeitungskosten bei Anbieterwechsel, Kündigung oder Ruhen lassen des Vertrages. Auch hierbei können die Anbieter auf unterschiedliche Bezugsgrößen abstellen, was die Vergleichbarkeit sehr erschwert. Ein aufmerksames Studium des „Kleingedruckten“ ist deshalb wichtig. Alle Verwaltungskosten müssen aber vorab im Vertrag festgelegt sein und können dann im Nachhinein nicht mehr zu Ungunsten des Versicherten geändert werden. Die Zusage, zu Beginn der Auszahlungsphase mindestens die eingezahlten Beiträge zur Auszahlung zur Verfügung zu haben (siehe Frage 77), wird durch die Kosten nicht berührt, d.h. von dieser Mindestleistung dürfen keine Kosten abgezogen werden! (Ausnahme: maximal 15 % zur ergänzenden Absicherung des Erwerbsminderungsrisikos, siehe Frage 71).
67. Eine Absicherung gegen diesen Fall gibt es nicht. Um zertifiziert zu werden, müssen alle Anlageformen zwar mindestens die Auszahlung des eingezahlten Kapitals zusagen. Es handelt sich dabei aber lediglich um eine vertragliche Zusage ihres Anbieters, nicht um eine Gewährleistung des Staates. Mit der Zertifizierung wird somit nicht garantiert, dass die Zusage vom Anbieter später auch erfüllt werden kann. Im Falle der Zahlungsunfähigkeit (Insolvenz) des Anbieters sind Sie deshalb möglicherweise auf die im Insolvenzverfahren allgemein bestehenden Möglichkeiten zur Durchsetzung Ihrer Forderung verwiesen. Bei Ihrer Anlageentscheidung sollte daher auch die Seriosität und die Bonität des Anbieters nicht unberücksichtigt bleiben. Praktisch hat es in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten noch keinen Fall gegeben, in dem eine Versicherung wirklich zahlungsunfähig geworden wäre. Die staatliche Aufsicht ist hier recht streng. Es ist auch denkbar, dass ein Anbieter, der in Schwierigkeiten ist, von einem anderen Anbieter übernommen wird. Die Verträge gehen dann auf den neuen Anbieter über. Ähnlich verhält es sich mit großen Banken und Sparkassen. Bei der betrieblichen Altersversorgung besteht in vielen Fällen eine gesetzliche Pflicht zur Insolvenzsicherung (siehe Fragen 43 und 44).
68. Während der Ansparphase können Sie ihren Altersvorsorgevertrag jederzeit mit einer Frist von drei Monaten zum Quartals- ende kündigen und das Altersvorsorgevermögen beim gleichen oder bei einem anderen Anbieter in einen neuen förderfähigen Vertrag überführen. Prüfen Sie also regelmäßig die Angebote auf die für Sie vorteilhafte Varianten. Sie können sich auch neutral von einer Verbraucherschutzorganisation beraten lassen. Diese Beratung ist aber in der Regel kostenpflichtig. Wenn Sie einen Anbieterwechsel in Betracht ziehen, müssen Sie beachten, dass die Garantie der eingezahlten Beiträge nur für den Zeitpunkt des Leistungsbeginns gilt. Wenn Sie vorzeitig den Vertrag kündigen, kann es passieren, dass der Wert des angesparten Versorgungskapitals zu diesem Zeitpunkt (zum Beispiel aufgrund ungünstiger Kursentwicklung von Aktien) den Wert ihrer bisher geleisteten Beiträge unterschreitet. Der neue Anbieter muss Ihnen, wenn Sie Kapital von einem anderen Anbieter mitbringen, (nur) so viel garantieren, wie Sie mitgebracht haben. Wird das Kapital nicht wieder in einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag eingezahlt, müssen die auf den ausgezahlten Kapitalbetrag entfallenden Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden (siehe Frage 94). Statt einer Kündigung können Sie den Vertrag beim alten Anbieter auch beitragsfrei weiterlaufen, d.h. „ruhen“ lassen (siehe Frage 33). Wenn das Ende der Laufzeit erreicht ist, müssen dann zumindest die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Achten Sie schon bei Vertragschluss darauf, dass ein Anbieterwechsel mit Kosten verbunden sein kann. Vergleichen Sie die Angebote auch in dieser Hinsicht. Der Anbieter muss Ihnen die Kosten eines Anbieterwechsels (wie alle anderen Kosten) vor Vertragsabschluss mitteilen und darf diese nicht im Nachhinein zu Ihrem Nachteil ändern.
69. Ein abgeschlossener Vertrag kann nach allgemeinen Grundsätzen im Nachhinein nur noch geändert werden, wenn beide Vertragspartner damit einverstanden sind. Ohne Ihr Einverständnis kann Ihr Vertragspartner also von den vereinbarten Bedingungen nicht zu Ihrem Nachteil abweichen.
70. Ja – allerdings nur für den Kunden. Während der Ansparphase können Sie ihren Altersvorsorgevertrag jederzeit mit einer Frist von drei Monaten zum Quartalsende kündigen und das Altersvorsorgevermögen beim gleichen oder bei einem anderen Anbieter in einen förderfähigen neuen Vertrag überführen. Es handelt sich dabei um eine sogenannte „ordentliche Kündigung“, d.h. um eine fristgerechte Beendigung des Vertrages, die das Vorliegen eines „wichtigen Grundes“ nicht voraussetzt. Der Anbieter kann den Vertrag hingegen weder in der Ansparphase noch in der Leistungsphase ordentlich kündigen. Sieht ein Vertrag ein ordentliches Kündigungsrecht des Anbieters vor, wird er nicht zertifiziert.