Arbeitnehmer

Sonderausgaben

Mehr Sonderausgaben absetzbar - Vorsorge als Sparstrategie

Damit Steuerzahler nicht unnötig Geld an den Staat verschenken, sollten Sie bei der Einkommensteuererklärung insbesondere auf die Sonderausgaben achten. Als Sonderausgaben (Mantelbogen der Einkommenssteuererklärung S.3 bzw Anlage AV „Riester-Rente“) können vor allem Aufwendungen zur finanziellen Vorsorge steuerlich abgesetzt werden.

Eigentlich dürfen Privatausgaben steuerlich nicht abgesetzt werden. Bei der Einkommensteuer gibt es aber Ausnahmen: Neben den Aufwendungen für außergewöhnliche Belastungen sind dies vor allem die so genannten Sonderausgaben. Beim Ansatz dieser Sonderausgaben hat es einige Änderungen gegeben, die bei der Einkommensteuererklärung für 2002 beachtet werden sollten.

Mit Sonderausgaben können Sie Ihre Steuerlast senken.
Altersvorsorgeaufwendungen zählen auch zu den Sonderausgaben

 

Sonderausgaben (§§ 10 ff. EStG – Einkommenssteuergesetz)

Versicherungsbeiträge und Beiträge zu einer zusätzlichen freiwilligen Pflegeversicherung sind bis zu einer bestimmten Höhe abzugsfähig. Ebenso können Ausgaben für die Altersvorsorge steuerlich geltend gemacht werden. Weitere Steuerersparnisse ergeben sich durch die so genannten "übrigen Sonderausgaben". Zu ihnen zählen Kirchensteuer, Renten oder dauernde Lasten sowie Aufwendungen zur Berufsausbildung. Auch die Kosten für den Steuerberater können als Sonderausgaben abgesetzt werden.

Daneben sind Spenden für mildtätige, wissenschaftliche und gemeinnützige Zwecke sowie Spenden an politische Parteien bis zu einer festgelegten Grenze absetzbar. Auch Unterhaltsleistungen an geschiedene Ehepartner zählen zu den Sonderausgaben.

 

Vorsorgeaufwendungen

Die einkommenssteuerrechtliche Behandlung von Altersbezügen und Vorsorgeaufwendungen wurde durch das seit dem 01.01.2005 geltende Alterseinkünftegesetz (Gesetz zur Neuordnung der einkommenssteuerrechtlichen Behandlung von Altersvorsorgeaufwendungen und Altersbezügen- kurz AltEinkG) neu geregelt. Einen der wichtigsten Punkte hierbei bildet die sukzessive Steuerfreistellung von Aufwendungen zur Altersvorsorge während des Erwerbslebens, die einhergeht mit der schrittweisen Einführung der Besteuerung von Altersrenten (nachgelagerte Besteuerung). So werden Altersvorsorgeaufwendungen bis zum Jahr 2025 und bis zu einem Höchstbetrag von 20000 Euro bzw. 40000 Euro (ledig/verheiratet) stufenweise steuerfrei gestellt.

Nach der neuen Rechtslage ist eine steuerliche Förderung so genannter „Riester-Renten“ auch weiterhin möglich. Ebenso sind Vorsorgeaufwendungen, das heißt Aufwendungen für die soziale Absicherung im Alter, Krankheit, Arbeitslosigkeit etc. auch zukünftig als Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig. Die neue steuerliche Förderung unterscheidet aber nunmehr zwei Arten der Vorsorgeaufwendungen:

Altersvorsorgeaufwendungen der Basisversorgung
sonstige Vorsorgeaufwendungen

Hinzu kommen nicht abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen

 

Altersvorsorgebeiträge

Bei Produkten der Basisversorgung muss es sich um Vorsorgeprodukte handeln, die auch wirklich für die Altersversorgung verwendet werden, d.h. sie dürfen weder übertragbar, vererbbar, beleihbar, veräußerlich noch kapitalisierbar sein. Die hierbei entstehenden Aufwendungen sind steuerlich absetzbar.

Dazu gehören Beiträge an:

die gesetzliche Rentenversicherung
berufsständische Versorgungswerke
an die landwirtschaftlichen Alterskassen
an eine der gesetzlichen Rentenversicherung entsprechenden privaten Leibrentenversicherung, wie bspw. die „Rürup-Rente“)
Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit oder verminderte Erwerbsfähigkeit wie auch Hinterbliebenenzusatzversicherungen.

Für das Jahr 2005 sind 60 % dieser Beiträge als Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig. Dabei gilt jedoch eine maximale Obergrenze von 12.000 Euro (60 % von 20.000 Euro bzw. 40.000 Euro bei Eheleuten). Der abzugsfähige Betrag erhöht sich um jährlich 2 % bis zum Jahre 2025. Für das Jahr 2006 können somit 62 % bis zu einem maximalen Höchstbetrag von 12.400 Euro bzw. 24.800 Euro der Aufwendungen steuerlich geltend gemacht werden.

Bsp.
Als Angestellter erhalten Sie im Jahr 2005 ein Bruttogehalt von 40.000 Euro. Der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt 7.800 Euro (RV-Beitrag: 9,75 % AN (3900 €) + 9,75 % (3.900 €) AG ). Darüber hinaus haben Sie Beiträge für eine private Leibrente von 1000 Euro gezahlt.

Höhe der Gesamtbeiträge(3.900 € + 3.900 € + 1000 €) 8.800 Euro
davon 60 % 5.280 Euro
abzüglich des vollen steuerfreien Arbeitgeberanteils -3.900 Euro
Abzugsbetrag Sonderausgaben 1.380 Euro

Für Arbeitnehmer, die vollständig oder teilweise ohne eigene Beitragsleistung einen Anspruch auf Altersversorgung erwerben, wie bspw. Beamte, Richter und Gesellschafter-Geschäftsführer mit Pensionszusage kürzt sich der Höchstbetrag um einen fiktiven Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen

Neben den Altersvorsorgeaufwendungen der Basisversorgung sind darüber hinaus auch die sonstigen Vorsorgeaufwendungen eingeschränkt abzugsfähig. Dazu zählen insbesondere die Beiträge an

die Sozialversicherungen (Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung)
Unfall-, Haftpflicht-, private Krankenzusatzversicherungen
Risikolebensversicherungen
unter bestimmten Bedingungen Rentenversicherungen, die nicht die Bedingungen für die Basisversorgung erfüllen
vor dem 1.1.2005 abgeschlossene Kapitallebensversicherungen (Altverträge), deren Versicherungsbeitrag noch bis zum 31.12.2004 entrichtet wurde

Die Beiträge zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen können als Sonderausgaben bis zu einem Höchstbetrag von 2.400 Euro von dem Steuerpflichtigen abgezogen werden. Dies gilt jedoch nur wenn er die Kosten der Krankenversicherung vollständig aus eigenen Mitteln trägt, wie z.B. Selbstständige.
Ist dies, wie bei Arbeitnehmern mit steuerfreiem Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung oder Beamten mit Beihilfe nicht der Fall verringert sich der abzugsfähige Höchstbetrag auf 1.500 Euro.
Für zusammen veranlagte Ehepartner wird für beide der Höchstbetrag zunächst gesondert ermittelt. Gemeinsame Aufwendungen sind bis zur Summe der beiden Höchstbeträge abziehbar.

Handelt es sich um Produkte, die überwiegend der Vermögensbildung dienen, wie bspw. nach dem 01.01.2005 abgeschlossene Kapitallebensversicherungen oder Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht ist ein Sonderausgabenabzug nicht möglich. Dies gilt ebenso für Beiträge zu Hausratversicherungen, Kaskoversicherungen und Rechtsschutzversicherungen.

Beachte: Sowohl bei den Altersvorsorgeaufwendungen als auch bei den sonstigen Vorsorgeaufwendungen erfolgt in den Jahren 2005 bis 2019 eine Günstigerprüfung durch das Finanzamt. Hierbei prüft das Finanzamt von Amts wegen, ob der Steuerpflichtige durch die neue Regelung schlechter gestellt wird. Liegt der Abzugsbetrag der Sonderausgaben nach neuem Recht unter dem bis zum 31.12.2004 anzusetzenden Betrag wird während der Übergangszeit die alte Regelung weiter angewendet, d. h. es wird weiterhin ein Vorwegabzug von 3068 Euro/6136 Euro (ledig/verheiratet) gewährt. Ab dem Jahr 2011 verringert sich der Vorwegabzug jedoch schrittweise bis 2019.

 

Übrige Sonderausgaben

Zu den übrigen Sonderausgaben gehören

Steuerberatungskosten
Kirchensteuer - in voller Höhe absetzbar
Renten oder dauernde Lasten
Aufwendungen zur Berufsausbildung oder Weiterbildung in einem nicht oder nicht mehr ausgeübten Beruf bis 920 Euro, bei auswärtiger Unterbringung 1.227 Euro
Spenden und Beiträge für mildtätige, kirchliche, religiöse, wissenschaftliche und gemeinnützige Zwecke sowie Mitgliedsbeiträge und Spenden an politische Parteien bis zu einer bestimmen Höhe
Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten bis 13.805 Euro. Voraussetzung ist, dass der Empfänger seine Zustimmung gibt (Anlage U)
30 Prozent des Schulgelds, das für Kinder gezahlt wird, die im Inland eine staatlich genehmigte oder nach Landesrecht erlaubte Ersatzschule/Ergänzungsschule besuchen

 

Info

Der Sonderausgabenabzug von Aufwendungen für ein hauswirtschaftliches Beschäftigungsverhältnis (2001: bis 18.000 DM) ist zum 1. Januar 2002 weggefallen.

Für die übrigen Sonderausgaben gewähren die Finanzämter von sich aus einen Pauschbetrag von 36/72 Euro (ledig/verheiratet), wenn der Steuerzahler nicht höhere Ausgaben nachweist.

 

Beiträge für die zusätzliche Altersvorsorge sind steuerfrei

Beiträge für die zusätzliche Altersvorsorge können auch bei der Steuer als Sonderausgaben abgezogen werden. In der Ansparphase bleiben auch Zinsen und Erträge steuerfrei.

Als Sonderausgabenabzug geltend gemacht werden können unabhängig vom individuellen Einkommen folgende Altersvorsorgeaufwendungen (Eigenkapitalbeiträge + Zulage):

Zeitraum Maximaler jährlicher
Sonderausgabenabzug
   
2002 bis 2003 525 €
2004 bis 2005 1050 €
2006 bis 2007 1575 €
Ab 2008 2100 €

 

Ab 2008 können also im Rahmen der Einkommensteuererklärung bis zu 2100 € jährlich geltend gemacht werden. Auch wenn dies mehr als 4% des sozialpflichtigen Einkommens sind. Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Steuerersparnis höher ist als die Zulage. Die Differenz wird dann bei der Steuer erstattet.

Darüber gilt: In der Ansparphase müssen weder für die Sparbeträge noch für Zinsen und Erträge Steuern gezahlt werden. Daraus ergibt sich ein zusätzlicher Vorteil, der die Gewinne noch einmal erhöht.